Impfen mit MS – soll ich oder nicht?

Mit einer Krankheit wie der Multiplen Sklerose ist auf einmal so viel anders, von Kleinigkeiten im Alltag bis zur Standard-Gesundheitsprophylaxe. Die Rede ist heute nicht von Vorsorgeuntersuchungen, sondern vom Impfen.

Wie ich darauf komme?

Neulich war ich wegen etwas ganz Anderem bei meiner Hausärztin, die mich mit einer Tetanus-Impfung überraschte. Ein kritischer Blick in meinen Impfausweis brachte nämlich die Misere ans Tageslicht, dass meine Tetanus-Auffrischung schon längst überfällig war. Ok – warum nicht, dachte ich mir. Schließlich habe ich mit Hunden und Pferden zu tun, sodass mein Tetanus-Risiko doch etwas höher ist.

Ein Piks – und schon vorbei! Ha – eben nicht!

An meinem Oberarm entstand unter der Einstichstelle eine Beule. „Das ist in spätestens zwei Tage weg“, beruhigte mich die Arzthelferin. So war es aber ganz und gar nicht. Denn ebenso wie bei einer Erkältung, scheint die MS auch bei einer simplen Impfung einige Specials auf Lager zu haben. Denn mein Oberarm blieb etwa eine Woche lang geschwollen und heiß. ☹ Auch insgesamt ging es mir einfach nicht gut. Wäre ich angestellt, hätte ich mich krankschreiben lassen. Aber das … ihr wisst ja … ist bei mir nicht drin. Also nahm ich meine Impfreaktion ebenso hin wie alles andere, was mir die Krankheit mit 1.000 Gesichtern schon so geboten hat.

Impfen mit MS – Zeit für Fakten

Mein Erlebnis mit dem Impfen war natürlich eine subjektive Erfahrung. Darum ist hier wieder ein Faktencheck unter Expertenmeinungen angesagt.

Das Robert Koch Institut (RKI) ist Experte in Sachen Impfen. Denn ihm angegliedert ist die Ständige Impfkommission (STIKO). Sie gibt Empfehlungen zu wichtigen Impfungen heraus und informiert über einzelne Impfstoffe. Daher weiß man beim RKI ziemlich genau, worauf beim Impfen zu achten ist. Laut dem Institut sei eine MS-Erkrankung keine Kontraindikation zur Durchführung einer Impfung.

Es sei eher andersherum: Gerade für uns MSler ist das Impfen besonders wichtig, vor allem gegen Influenza (Grippe). Denn es sei beobachtet worden, dass Infektionserkrankungen das Schubrisiko bei unsereins erhöhen. Wenn MS-Patienten immunmodulierende Medikamente einnähmen, seien sie zudem besonders gefährdet, an Infektionen zu erkranken. Daher ist der Impfschutz für MSler so wichtig.

Andererseits gibt das RKI zu bedenken, dass Impfungen zu Modulationen im Immunsystem führen können – was in der Theorie einen Schub begünstigen könne. Systematische Studien konnten dies jedoch nicht beobachten. Hierbei wurden Impfungen gegen Hepatitis B, Influenza und Tetanus beobachtet. Laut RKI können Totimpfstoffe immer gegeben werden. Lebendimpfstoffe nur dann, wenn das Immunsystem nicht supprimiert ist.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) schreibt, dass bei MS bis auf wenige Ausnahmen – die sich auch auf Lebendimpfstoffe beziehen – geimpft werden darf. Neuere Forschungen hätten sogar ergeben, dass Impfungen gegen Tetanus, Hepatitis B, Röteln und Grippe ohne Angst vor einem Schub verabreicht werden können.

Die DMSG warnt davor, dass vor allem die Grippe die Schubgefahr erhöht, sodass die Impfung gegen sie für MSler besonders wichtig ist. (Notiz an mich: Gegen Grippe impfen lassen!). Interessant übrigens: Laut DMSG sollten aber alle Impfungen bis auf die genannten nur bei Bedarf und nach gründlicher Abwägung vorgenommen werden.

Wer MS hat, sollte sich grundsätzlich nur in stabilen Krankheitsphasen impfen lassen. Vor allem außerhalb von Schüben und auch nicht während einer Therapie mit Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva. Letztere übrigens nur, weil dann der Impferfolg geringer ausfallen könnte.

Impfen mit MS: mein Fazit

Was sagen uns nun die Fakten zum Impfen und meine persönlichen Erfahrungen? Lasst euch impfen – das ist besser als eine fiese Grippe mit anschließendem Schub! Aber plant ein, dass ihr in den Tagen danach etwas angeschlagener sein könntet als andere Menschen. Vielleicht lasst ihr euch deshalb dann impfen, wenn in eurem Leben und eurem Job gerade eine ruhigere Phase ansteht – und ihr auch mit weniger Einsatz gut klarkommt.

Also dann – frohes Piksen 😉

Und berichtet mir in den Kommentaren gerne von euren Erfahrungen!

 

 

Weiterführende Links:

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_Grunderkrankungen/FAQ04.html#:~:text=Prinzipiell%20ist%20eine%20Erkrankung%20an,Impfschutzes%20%5B1%2C%202%5D.

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/faq/kann-ich-mich-impfen-lassen/

 

4 thoughts on “Impfen mit MS – soll ich oder nicht?

  1. Mein Gastro Doc – ich habe auch Morbus Crohn – schlug eine Impfung gegen Pneumokokken vor, die mir unbedingt fehlen würde. Fr Neuro fand das wenig lustig, es könne einen Schub auslösen. Fr Allgemein hielt die Impfung für angebracht (Gedankenpause), obwohl, das könnte ja einen Schub auslösen. Da stand ich da mit meinem kurzen Hemd.
    Die STIKO empfiehlt, notwendige Impfungen vor Beginn einer immunmodulatorischen Therapie durchzuführen. Für mich eindeutig drei Jahre zu spät.
    Ich habe für mich festgestellt, dass die Empfehlungen keinen eindeutigen Ratschlag bedeuten, je nachdem, wen man fragt. Letztendlich ist es wohl eine ganz persönliche Entscheidung, ob man sich impfen lässt oder eben nicht. Ich bin bis heute nicht geimpft.

  2. Gerade deinen Blogbeitrag zum Impfen gelesen. Ich soll auch nachdenken wegen Influenza. Hatte vor vier Wochen Tetanusimpfung, ähnliche Probleme wie du. Lange Beule an.der Einstichstelle, zwei Tage wahnsinnige Kopfschmerzen und in der Zeit war das Laufen ganz schlecht. Daher weiß ich noch nicht, ob ich weitere Impfungen mache.

  3. Hausarzt und Neurologin waren gleicher Meinung: Gegen Pneumokokken impfen lassen! Habe ich gemacht, und außer einem blauen Fleck an der Einstichstelle, der wie ein blauer Fleck auch ein bisschen wehtat, keine Probleme. Die Grippeimpfung steht auch noch auf der To-Do-Liste (zum ersten Mal). Ich nehme immunmodulierende Medikamente, die aber bisher nicht dazu geführt haben, dass ich öfter krank war als vorher.

  4. Danke für eure spannenden Kommentare – drei davon mit drei verschiedenen Meinungen oder Erfahrungen. Das zeigt mal wieder die “Vielfalt” unserer Krankheit …

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