Corona meets Brawl Stars

Alle Eltern von Grundschul-Jungs kennen und hassen es: Brawl Stars, das Handy-Spiel mit Suchtfaktor. „Nur noch eine Minute!!“ „Ich hab doch nen neuen Skin! „XY aus meiner Klasse darf viiieell länger!“. Dieses Spiel ist schon in normalen Zeiten eine echte Herausforderung an Eltern. Aber in diesen Corona-Homeschooling-Tagen* nimmt das Ganze wirklich noch einmal ganz andere Dimensionen an.

Zwei Jungs, 8 und 3, nennen wir sie El Primo (8) und Crow (3), sind, wie viiieeeleee andere Kinder auch, zuhause eingesperrt. Mit einem Berg Aufgaben für das Homeschooling, chronischer Unlust bei jedem! einzelnen! Buchstaben und jeder! einzelnen! Zahl – und fehlenden Kita-Kumpels. Die Stimmung ist angespannt, Freelancer-Mama, um ihre Existenz bangend wie so viele andere Freiberufler und Vollzeit[job]*-Papa-im-Home-Office, der sein Pensum schaffen muss. Irgendwie.

Und dann ist da noch Mamas Handy – inklusive des in einem weichen Moment installierten Brawl Stars. Und darauf haben El Primo (30 Minuten erlaubt) und Crow (10 Minuten erlaubt) es wie die Krähen auf das Fischbrötchen abgesehen. Sie schleichen herum, versuchen meine schwache, abgelenkte Sekunde abzupassen, um ihre Handyzeit am besten gen unendlich zu verlängern.

Auf El Primo wartet als nächster Brawl live und in echt allerdings das Home Schooling bis mindestens Ostern. Bestehend aus Schreibschrift in Schönschrift, Mia rechnet an der Mauer, die Frühblüher, Kartenkunde, Zahlenzorro und viele mehr. Der Brawl ist hart: Er führt zum Äußersten. Wutanfälle, Schreianfälle, unsportliche Beschimpfungen des Roboter-Boss (Mama). Zumal der Roboter-Boss leider MS hat und NICHT einfach sämtliches Arbeiten auf nachts verlegen kann – da geht nämlich einfach nichts mehr.

Alle fühlen sich bereits an Tag eins mit Homeschooling – direkt angrenzend an die Hamburger Märzferien, es gab also schon eine Vorgeschichte – am Ende mit den Nerven. Denn der Brawl muss eigenhändig (!!) („Viielll zu weeeiiittt“ – Normaler Schulweg …) abgeholt werden. Roboter-Boss wird schon hart getestet. Jeden Tag folgt die Steigerung – gespickt mit Feinheiten wie dem real nassen, ja wirklich und immer sooooo langen, Händewaschen, alle kennen es jetzt – bis zum gefühlten Crescendo. Das abrupt in dem Moment endet, in dem dir klar wird: Nein, es ist noch nicht vorbei. Keiner weiß, wann es endet. Durchatmen. Nicht. Durchdrehen.

Jetzt mal ganz ehrlich. Klar hilft etwas Humor, aber heute (Tag vier des Brawls) bin ich echt der Verzweiflung nah. Ich muss Anstand gewinnen. Ich schreibe jetzt einfach jeden Tag, wie es so läuft mit El Primo und Crow – in der Hoffnung, dass alles sich in Wohlgefallen auflöst und wir irgendwann schmunzelnd den Kopf schütteln über diese Erfahrung.

Bitte seid bei mir in dieser Zeit – wie macht ihr es? Schreibt mir eure Kommentare!

Corona-Brawl – DAS TAGEBUCH

Tag 4: Der Frust ist so groß, dass der ganze Tag ein lautstarker Familienstreit mit schlagenden Türen und wüsten Beschimpfungen wird. An das Bearbeiten von irgendwelchen Schulaufgaben ist nicht zu denken. Richtig Öl ins Feuer gießen natürlich die Forderungen von El Primo und Crow nach weiteren digitalen Brawls – ohne das Angebot, irgendwelche Pflichten wahrzunehmen, der Aufgabenberg wird vor meinem inneren Auge zu einem unbezwingbaren Berg. In meiner Verzweiflung poste ich einen Hilfsaufruf auf Facebook. Es kamen so viele tolle Ideen von anderen Eltern. Digitaler Zusammenhalt ist wohl unersetzlich in diesen Corona-Zeiten.

Tag 5: Bereits gestern Abend, nachdem die Seelenbalsam-Posts mitfühlender Facebook-Kontakte durchgesickert waren, einigten wir Eltern uns auf eine 7-Tage-Woche während des Corona-Arrests. Es ist ja gerade auch ziemlich egal. So teilt sich das Home Schooling in kleinere Portionen – und schon ist etwas Druck raus. Die Folge: Heute, an Tag 5 des „Home-Schooling-Brawls“, konnten wir endlich ein paar winzige Trophäen sammeln: Mathe und Deutsch. Es sieht vielleicht schon besser aus … Nun harren wir des Verhaltens der Deutschen morgen. Denn morgen ist die Probe, der Universal-Brawl der Republik, ob wir komplett weggesperrt werden müssen, oder doch die Vernunft einsetzt.

Tag 6: Ja, Tag 6, also Samstag. Auch heute haben wir “unterrichtet”, damit der Berg nicht immer größer wird – wir setzen jetzt auf die 7-Tage-Woche. Und heute hat Papa den Homeschooling-Load übernommen. Es klappte überraschend gut. Zwar wurde das eine oder andere Fach ausgeklammert, aber mit Mathe ist El Primo jetzt auf Stand – Brawl fast geschafft! Hinterher musste ich allerdings erfahren, dass Bestechungsgelder geflossen sind – in Form von 2 (!!) Stunden extra Brawl-Stars-Zeit. Ich versuche, das gelassen zu sehen, es sind schließlich ungewöhnliche Zeiten …

Tag 7: Heute war der Tag der großen Überraschungen! El Primo stapft die Treppe runter und verkündet lautstark: “Ich mach jetzt mal die restlichen Matheaufgaben!”. Schweigendes Staunen! Ist dieses Homeschooling vielleicht eine tolle Beschleunigung der Eigenverantwortung? Man kann ja in der 2. Klasse auch schon mal Richtung Studium denken … Zwar wurde Papa dann doch noch zurate gezogen, aber sich selbstständig Hilfe holen, das ist doch wirklich erlaubt – und ebenfalls ein Zeichen von Selbstständigkeit. Schreibschrift und Deutsch fallen im Laufe des Tages dann wohl wieder in meinen Aufgabenbereich. Aber ich bin ziemlich guter Dinge 🙂

Tag 8: Tag zum Streichen! Bei allen lagen die Nerven mehr als blank. Es wurde laut und El Primo verließ seine Kampfposition gar nicht mehr. Es war ein schlimmer Tag – nur mühevoll konnte irgendwann etwas für die Schule getan werden – was irgendwie auch gar nicht mehr so wichtig erschien …

Tag 9: Der Wandel! Ich hatte heute mal versucht, die Aufgaben auf einem Zettel zu notieren, sodass er mit der “Durchstreich-Motivation” arbeiten konnte. Es klappte ziemlich gut und sogar die Schreibschrift war als Schönschrift erkennbar. Was bleibt: die Weigerung, mit einem angespitzten Stift zu arbeiten. Aber Hauptsache, er arbeitet!! Und: Wir haben den virtuellen Schul- und Kita-Sport von Alba Berlin für uns entdeckt! Der ist hilfreich, lustig und hebt die Stimmung nachhaltig.

Empfehlenswert:

 

Tag 10: Heute haben wir keinen Sport gemacht. Die Stimmung war insgesamt mäßig … aber tatsächlich klappte das Arbeite an den Schulaufgaben. Kleine Streiteinlagen, initiiert von El Primo, der nach JEDEM Schulfach seinen Punktestand bei Brawl Stars vorantreiben wollte. Eine nicht so gute Idee, wie ich find. Und schön war das Konfliktpäckchen wieder geschnürt.

Auch ich durfte eine neue Unterrichts-Erfahrung machen: Cello-Unterricht remote. Während mein Lehrer in Athen weilte, kam die Unterrichtsstunde digital in mein Wohnzimmer. Das war spannend – hat aber eigentlich gut geklappt. Trotz Stör-Szenarien, eingespielt durch El Primo und Crow

 

Viele Tage später … Sorry. Es hat mit dem regelmäßigen Bloggen im Corona-Wahnsinn nicht geklappt. El Primo und Crow wurden in den Urlaub geschickt/deinstalliert. Es war unerträglich. Und mal ehrlich: Die beginnende Handysucht eines 8-Jährigen muss ja nun wirklich nicht gefördert werden. Es ging nicht anders. Kommende Woche beginnt die stark abgespeckte Präsenzbeschulung wieder: mit 2×2 Stunden in der Woche. Diese Tage bestehen also im Grunde genommen nur aus dem Hin- und Herfahren von Crow – äh – Kind 1.

Doch auch das hat viele Vorteile. Zum Beispiel habe ich jetzt ein handfestes Argument, um den zahlreichen Corona-Kilos endlich zuleibe zu rücken! 😉

Ich werde berichten, wie der erste Schultag dann gewesen sein wird. Bis dahin “genießen” wir noch die Hamburger Maiferien …

 

*Bei all den „Problemen“ mit dem Homeschooling – die Corona-Gesamtsituation nehme ich durchaus und absolut ernst!
* [edit]
Fotos/Screenshots: © Supercell

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