Rezension: Willi Wolke und der kleine Schneemann

„Denn egal, ob man ihn sieht oder nicht – der, den man lieb hat, ist immer bei einem.“

Zwei Wesen, die Grundlegendes gemeinsam haben, lernen sich – und auch schnell ihre Gemeinsamkeit, den Schnee – kennen und werden Freunde. Willi Wolke, der Wolkenteurer, der sich so sehr wünscht, eine Schneewolke zu werden und der kleine Schneemann, bestehend aus Schnee, werden schnell enge Freunde. Sie lernen, sich umeinander zu sorgen – zum Beispiel, wenn Willi Wolke beim Kugeln im Schnee plötzlich unter den Massen verschwindet. Sie erleben aber auch die Freude, wenn sie erkennen, dass alles gar nicht so schlimm war.

Sie spielen den ganzen, schneereichen Winter miteinander. Doch auf einmal wird es ernst: Denn der kleine Schneemann fragt Willi, der so gerne eine Schneewolke sein möchte, ob er SEINE Schneewolke werden will. Denn der Frühling naht, und alle Schneemänner schmelzen, wenn es wärmer wird. Willi Wolke und auch Leser*innen erkennen mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, dass Willis Freund, der kleine Schneemann, bald verschwunden sein wird. Doch der Schneemann erläutert, er sei gar nicht weg, er verändere nur seine Form.

Willi versteht nach langem Nachdenken voller Trauer, dass jemand nicht weg ist, nur weil man ihn nicht sehen kann. Er beschließt, seinem Freund, dem Schneemann, zu helfen, sobald er zu schmelzen beginnt. Er will ihn, wenn er zu Wasserdampf geworden ist, einsammeln und zu einem hohen Berg tragen, um ihn dort als Schneeflocke abzusetzen.

„Der Frühling begann und der kleine Schneemann verabschiedete sich von Willi. Als der kleine Schneemann nur noch eine Wasserpfütze war, half ihm die Sonne, sich behutsam in Wasserdampf zu verwandeln. Willi war natürlich sofort zur Stelle, um den kleinen Schneemann einzusammeln und auf seiner Reise zu begleiten.“

Behutsam trägt Willi seinen Freund in sich, bis es Winter wird. Das ist für ihn, der ja noch eine kleine Wolke ist, nicht leicht. Doch die zarte Stimme des kleinen Schneemanns, die er in sich trägt, ermutigt ihn immer wieder aufs Neue. Als es schließlich Winter ist und Willi seinen Freund als unzählige Schneeflocken in die winterliche Welt entlässt, ist er zum einen sehr traurig über das Ende dieser Reise. Zum anderen lächelt er jetzt jedes Mal, wenn er Schnee sieht. Denn er erinnert ihn immer an seinen besten Freund, den kleinen Schneemann.

Willi Wolke und der kleine Schneemann Rezension


Ich danke Rachel Wolke und dem pastis verlag dafür, mir ihr Buch „Willi Wolke und der kleine Schneemann“ zur Rezension zu überlassen und mir damit ihr Vertrauen zu schenken.

Obwohl – oder gerade weil? – diese metaphorische Geschichte so rührend ist, war es für mich nicht leicht, sie zu lesen und die Rezension zu schreiben. Denn die Themen Verlust, Mut fassen und Freude erneut gewinnen sind für mich aus mehreren Gründen so präsent. Es ist zum einen meine Auseinandersetzung mit der chronischen Erkrankung MS, die mein Leben drastisch hinterfragt. Es sind Verluste, die ich zu betrauern habe, weil mein Körper nicht mehr so funktionieren kann, wie es richtig wäre.

Und das Lesen von Willi Wolke war für mich ungleich anrührend, weil ich, seitdem ich Mutter bin, Ängste um meine Kinder habe, die ich vorher nicht kannte. Als ich beim Lesen des Buches mit der Verlustangst („Frühling“) um meine Kinder konfrontiert wurde, hat mich das zutiefst bestürzt.

Zugleich dachte ich an tatsächliche, bereits erlittene Verluste …

Doch was Willi Wolke, der Wolkenteurer, erlebt, erlebe ich auch: Wen man lieb hat, der ist irgendwo noch da, denn er hat einen festen Platz – auch wenn man ihn nicht sieht.

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