Multiple Schmerzen

MS heißt auch: Multiple Schmerzen

Stell dir vor, du hast drei Nächte nicht geschlafen und dich jeden Tag exzessiv einer ganz neuen Sportart gewidmet – so mindestens je drei Stunden am Stück. Außerdem ist dir kalt und du liegst auf etwas total Hartem, Unbequemen.

Das klingt mies, oder?

Ist es auch.

Vor allem, wenn du eigentlich drei Nächste hintereinander geschlafen und erst recht keinen Sport hinter dir hast. – Abgesehen davon, wann man als selbstständige Zweifach-Mama denn dafür auch noch Zeit finden soll – 

MS bedeutet: „Grundlose“ Schmerzen

Wann und warum diese Ganzkörper-Schmerzen bei mir auftreten, weiß ich noch nicht so genau. Es ist ein ebenso großes Rätsel wie diese miese Krankheit als solche: Ein Immunsystem, das sich selbst angreift. Wie kann so etwas denn sein? Ich hasse unlogische und vor allem: unsinnige Dinge wie dieses.

Und trotzdem muss ich mich genau damit herumschlagen. Wenn diese speziellen Ganzkörperschmerzen auftauchen, erinnern sie mich ganz besonders daran, dass ich auf eben diese merkwürdige Weise nicht mehr gesund bin.

MS, selbstständig und Mama: Schmerzen bei MS
MS, selbstständig und Mama: Schmerzen bei MS

Schmerzen bei MS: die Formen

Dass jemand mit einer chronischen Erkrankung mit Schmerzen zu tun haben könnte, verwundert vermutlich weniger.  Doch selbstverständlich ist es bei der Multiplen Sklerose nicht mit einem klaren, spezifischen Schmerzsymptom getan.

Abgesehen davon, dass Schmerzen ein äußerst subjektives Thema sind, sind aus medizinischer Sicht bisher zwei Schmerzformen bei MS bekannt:

  • Der MS-bedingte Schmerz.  Das ist der sogenannte neuropathische Schmerz – er entsteht durch die gestörten Nervenfasern oder Nervenzellen. Da sie kaputt sind, melden sie Schmerzen, ohne dass eine tatsächliche Ursache dafür gibt. (Wie gesagt: Wenn du dich fühlst, als hättest du einen Iron Man hinter dir und noch nicht einmal 5 Minuten walken warst).
  • Der Nicht-MS-bedingte Schmerz. Diese Schmerzform ist so eine Art Begleiterscheinung. Auch hier kann natürlich jeder Teil des Körpers schmerzen (die MS lässt sich nicht lumpen!). Grund hier sind Gewebeschäden oder Entzündungen.

Gar nicht krank aussehen und doch leiden

Für die diese unsichtbaren Schmerzen braucht jemand mit MS wirklich kein Verständnis der Umwelt erwarten.  „Ist das ein Schub?“ – „Nein.“ – „Dann ist doch alles gut.“

Eben nicht.

Mit Schmerzen ist gar nichts gut.

Du willst dich nicht bewegen und musst es doch. Weil du gar nicht krank aussiehst und dir niemand dein Leid abkauft.

Weil kleine Kinder noch nicht ausreichend Empathie besitzen, um so etwas verstehen oder gar darauf Rücksicht nehmen zu können. Das kann und darf man ihnen noch nicht mal übel nehmen.

Weil du als Selbstständige keine bezahlten Krankheitstage hast – wer krank wird, ist raus, ätsch-bätsch!

Darum halte ich es mit meinen Schmerzen so: Ich erwähne meinem engsten Umfeld gegenüber, dass mein ganzer Körper ein Schmerz ist. Das habe ich dann somit mitgeteilt – meine Aussage wird auch zur Kenntnis genommen, aber dann hat alles ganz normal weiterzugehen. 

Wie das Umfeld meiner Leidensgenossinnen und -genossen darauf reagiert, kann ich nicht sagen. Daher kann ich auch nichts dazu sagen, ob es tatsächlich besser wäre, Mitleid zu erhalten?

Denn besser wird es ja nicht mehr. Immerhin das ist sicher bei MS.

 

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