Mompreneur

Selbstständig als Mama – warum und vor allem: Wie?

Ich stelle mir vor, dass Menschen – Frauen – die nie selbstständig waren, sich fragen: Warum tut die sich das an? Diese Unsicherheit, nicht abgesichert sein, immer auf sich gestellt?

Manchmal habe ich Sinnkrisen, dann weiß ich es auch nicht.

 

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Selbstständig als Charaktereigenschaft

Was ich glaube – und es bestätigt sich immer wieder – ist, dass selbstständig sein, ein Freelancer zu sein, eine Charaktereigenschaft ist. Schon während meines Journalismus-Studiums besuchte ich Kurse á la „Arbeiten als freier Journalist“ und ähnliches. 

Selbstständig und irgendwie unabhängig arbeiten – das war schon immer mein Lebensentwurf. Kommen und gehen nach Absprache, mal nicht verfügbar sein oder viele Wochenenden und Abende durcharbeiten. So flexibel geht’s nur frei.

Leben als Mompreneur – eine andere Sichtweise

Als ich später Mutter meines Ersten war, dachte ich, nun sei eine Festanstellung angebracht. Sicherheit, Planbarkeit und immer freie Wochenenden müssen her. Ganz am Anfang fühlte sich das auch irgendwie befreiend an. Ich arbeitete Vollzeit, die Kita hatte lange auf, mein Mann übernahm einen großen Teil der Kinderbetreuung.

Irgendwann fühlte es sich aber nicht mehr richtig an. Ich dachte mir: Hey, mit 30 Stunden wird alles besser. Das ohnehin im Zweifel echt geringe Einkommen sank in unglaubliche Tiefen.

So lange weg sein für so wenig? Ich bin mir sicher: Viele berufstätige Mütter kennen die Misere. So viel geben – an Leben, an Kraft, an Leidenschaft – für eine neue Unsicherheit. Wenn der Bauch deutlich sagt: Das fühlt sich nicht richtig an! – Sollte man darauf hören.

Und das tat ich.

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Selbstständig aus ganzem Herzen

Ich kündigte und startete meine Selbstständigkeit noch einmal ganz neu: als Freiberuflerin mit einem ganz klaren Themenfokus. Dieser Weg war der richtige. Ich musste nicht mehr um neun an irgendeinem Schreibtisch sitzen, um da sechs Stunden zu sitzen. 

Jetzt war Zeit für den Gang zum Kindergarten, für viel Natur mit meinem Hund und wenigen, aber hochkonzentrierten Arbeitsstunden. Ich war zu Beginn meines Lebens als Mompreneur  ganz oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort und lief den Menschen über den Weg, die mich weiterbrachten.

Kurzum: Lief!!!

Damals war es einfach, Erfolg zu haben. Er flog mir zu, denn damals war ich noch gesund und hatte keine Vorstellung davon, es nicht zu sein.

Selbstständige Mama von zweien und nicht mehr gesund

Niemand, niemand, niemand weiß, was im Leben kommen wird. Deshalb lebten meine Familie und ich das große Hoch dieser Zeit und sagten: Jetzt ist es richtig, jetzt soll unser zweites Kind kommen.

Schwanger konnte ich ebenso gut arbeiten, ich schrieb mich zusätzlich noch für ein Semester an der Uni ein und fühlte mich einfach nur gut. So war es auch nach der Geburt mit dem zweiten gesunden und herzallerliebsten Sohn.

Zweieinhalb Monate volle Elternzeit hatte ich mir zugestanden. Geschäftshandy aus, Abwesenheitsnotiz auf der Website, die engsten Kunden kannten den wahren Grund. 

Wenige Wochen, nachdem ich wieder mit dem Arbeiten begonnen hatte, konnte ich auf dem rechten Auge auf einmal fast nichts mehr sehen – ganze drei Wochen lang.  – Das Kapitel MS war mit diesem ersten „Schub“ in mein Leben getreten. – 

Als die Ärztin mir die Diagnose eröffnete, dachte ich als erstes: „Wie soll ich das jetzt auch noch schaffen?“ Und so war dies der Moment, der mir meine große Leichtigkeit irgendwie genommen hat.

Denn nun war noch weniger klar, was die Zukunft bringt, aber nicht mehr auf die spannende, inspirierende Art, die meine Solo-Selbstständigkeit bereithielt. Vieles war von nun an unangenehm schwammig, unklar – so ähnlich wie mein Sichtfeld durch die Sehnerventzündung in dem Moment. Grau, verschwommen, nicht greifbar.

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Wieder klar sehen. Vielleicht.

Es ist eine ziemlich harte Arbeit und durchaus sehr mühevoll, sich seinen Weg zu der alten, vertrauten Klarheit wieder zu ebnen. Denn du bist – musst du dir vorstellen – nun nicht mehr auf die Art stark, wie du es als gesunder Mensch warst. Alles fühlt sich anders an und ist ungleich viel anstrengender. 

Obwohl selbst mich mit meiner Selbstständigkeit als grundlegender Charaktereigenschaft jetzt regelmäßig Zweifel überfallen, weiß ich: Ich will so weiterleben wie vorher. Irgendwie jedenfalls.

Es geht – nur eben anders: Mein Leben als selbstständige Mama von Zweien mit der Multiplen Sklerose.