(Langes!) Wochenende ohne Kinder – mit Gedankenkarussell

Das erste Mal, seitdem ich Mutter von zwei Kindern bin, habe ich sie zwei ganze und zwei halbe Tage und damit drei Nächte nicht um mich. Das ist der Wahnsinn. In ganz vieler Hinsicht. Das Erste, das mir auffiel: Wow. Ich habe unglaublich viel Zeit. Unendlich viele Zeiträume, die ich mir vollkommen selbstbestimmt einteilen kann. Keine Kita-Abholzeit muss eingehalten, keine endende Nachmittagsbetreuung in der Schule berücksichtigt werden.

Ich kann tun und lassen, was ich will. Meine Arbeit setze ich endlos fort und merke, dass sie mir so viel Spaß macht, dass ich sie gar nicht als Arbeit empfinde. Einfach, weil ich sie mir ganz nach eigenem Gusto einrichten kann. Schon easy, so als Freiberuflerin, wenn man keine Kinder hat – denke ich fast etwas hämisch. Mann, was ich sonst so alles stemme und trotzdem läuft’s irgendwie … Ganz ehrlich, und, liebe Aus-Überzeugung-Kinderlose, bitte nicht persönlich nehmen: Jetzt, mit meiner ganzen freien Zeiteinteilung, muss ich der Ich-mache-alles-auch-mit-zwei-Kindern-around-Person, die ich sonst so bin, ganz gewaltig auf die Schulter klopfen: Chapeau! Hut ab!

Denn der Vergleich erscheint mir jetzt fast lächerlich. Wenn ich, im ganz normalen Alltag, doch mal vorsichtig formuliere, dass mir das „doch irgendwie manchmal schon ein bisschen viel“ ist, habe ich größten Respekt vor meinem eigenen Understatement. Jetzt aktuell, in dieser einfachen Eindimensionalität, spüre ich den Unterschied gewaltig.

Und doch ist es leer jetzt. Ich frage mich: Bin ich vielleicht vielmehr eine Glucke, als ich es mir zugestehen möchte? Tue ich viel zu sehr alles für meine Kleinen und gar nicht mehr so kleinen, dass mir das „Sonst“ deshalb – jetzt im Vergleich – so unglaublich fordernd vorkommt? Es ist tatsächlich möglich. Doch dann ist es so, weil ich es so will und weil ich es mir so ausgesucht habe. Ich will sie umsorgen und ihnen die Wünsche von den Lippen ablesen – auch wenn ich sie oft gar nicht erfüllen kann. Sie sollen sich behütet fühlen und dafür gebe ich mich selbst gerne ein kleines bisschen auf. Denn für die beiden rückt alles, was allein meins ist, schon etwas in den Hintergrund. Und das ist gut so.

Ist Selbstbestimmtheit wichtiger, als die Mutter zu sein, die du sein willst?

Es ist ohne Frage sehr einfach und vielleicht auch erstrebenswert, selbstbestimmt zu leben. Aber schon morgen kommen mir im Flur zwei total große Typen mit tiefen Stimmen entgegen, die auf mich heruntersehen. Und wichtig ist in diesen künftigen Momenten allein: Worauf möchte ich dann zurückblicken? Werde ich zufrieden sein mit der Mutter, die ich früher war? Dieses Bild habe ich vor Augen und darum folge ich meinem Herzen, denn es kennt den richtigen Weg. Auch, wenn der manchmal der absolut steinigere ist. Aber auch für diesen Fall habe ich schon früh nach meiner MS-Diagnose verstanden, worum es geht. „Wenn dir viele Steine im Weg liegen, kannst du was Schönes draus bauen.“ Genauso ist es.

Im Übrigen weiß ich jetzt, nach einem weiteren frei-selbstbestimmten Tag, dass es nicht allein die Kleinen sind, die mich so fordern, dass meine Kraftreserven oft sowas von leer sind. Es ist tatsächlich die Multiple Sklerose, die mich schwach macht. Körperlich. Denn wenn man nach einem vollkommen frei gestalteten Tag mit dem Mann und einem Thermenbesuch so müde ist, dass wirklich nichts mehr geht, Dinge herunterfallen, die Worte versiegen und Co., dann ist die traurige und nicht mehr wegzuredende Wahrheit glasklar.

Doch diesen Kampf trete ich gerne an, wenn ich jeden normalen Familientag hinbekomme mit all der Erschöpfung und Müdigkeit. Denn ich habe zwei sehr gute Gründe dafür. Noch einmal schlafen – dann sind sie wieder bei mir, mit ihrer Energie, ihren lauten Stimmen und den 1001 Wünschen an mich. Und ich freue mich drauf. #fightms

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