Muss ich mich schlecht fühlen, weil es mir trotz MS gut geht?

Mein Mann erzählte mir von einer Frau, die er beim Einkaufen gesehen hatte: „… und an Ihrem Rucksack hatte sie Stöcke befestigt, ich weiß nicht, ob das Gehstöcke oder so Walkingstöcke waren …“

„Das waren Walkingstöcke. Damit fühlt man sich normaler und nicht so krank“, konnte ich darauf antworten.

Denn das Szenario, nach einem MS-Schub nicht mehr gut laufen zu können, hatte ich innerlich schon eine Million mal durchgespielt: „Manche haben diese Stöcke auch an ihrem Rollstuhl befestigt und werden dann blöd angeguckt, wenn sie mithilfe der Stöcke aufstehen – für die wenigen verbliebenen Schritte.“

„Die Frau lief aber schon wirklich anders als du.“

„Ja, noch.“

Mir geht es gut, dafür dass ich MS habe. Man sieht es nicht und ich merke es allermeistens selbst nicht.

Aber ich WEISS es. Und das macht den Unterschied. Außen garnichtkrank, innen total derangiert. Wenn im Kopf die Szenarien kreisen, von allen Facetten beleuchtet, verworfen und neu geprobt werden.

Manchmal denke ich, dass ich mich irgendwie schlecht fühlen sollte, weil es mir im Vergleich mit den andern im selben Boot gut geht. Ich hab kein Uhthoff, keine Fatigue, kann laufen und Radfahren wie ne Große. Ich reite, ich fange meine Kinder, ich kann arbeiten. Mache ich zumindest.

Sollte es schambehaftet sein, eine unheilbare, chronische Erkrankung mit unklarem Ausgang zu haben, an der andere auch leiden – mit dem Unterschied, dass es ihnen oft so viel schlechter geht als mir?

Beim genaueren Nachdenken: Nein. Denn das ständige Verharren, in Erwartung des Paukenschlags, der doch sofort, jetzt, jederzeit kommen MUSS, ist auch echt ätzend. Wirklich.

 

 

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