Garnichtkrank auf Rehacare.de

Die Interviewanfrage kam unerwartet – von Rehacare, einer Fachmesse für Rehabilitation und Pflege. Ganz kurz musste ich nachdenken, da ich ja eigentlich noch gar nicht so behindert bin – und hoffe, dass es so bleibt. Nach dem Durchsehen der bisherigen Beiträge der Reihe „So tickt …“ auf Rehacare.de war ich mir aber doch sicher, dass auch die MS und auch in einem „unsichtbaren“ Stadium, dort eine Präsenzberechtigung hat.

Also machte ich mit:

Die standardisierten Interviewfragen lockten einen Blick hinter die Kulissen der unsichtbaren Krankheit Multiple Sklerose hervor.  Hinter das ganz normale Mama-im-täglichen-Wahnsinn-Bild und den Struggle mit der ernst gemeinten und existenzsichernden Freiberuflickeit. Ich finde, diese Darstellungsform bietet eine gelungene Plattform, die zeigt, dass Menschen mit (drohender) Behinderung zum einen die selben Alltagssorgen und -nöte haben wie alle anderen. Andererseits wird – auch beim Lesen der anderen Interviews – klar, dass wir chronisch Kranken einen deutlich anderen Blick aufs Leben bekommen haben.

Zum einen bodenständiger, zum anderen entrückter. Wir „ticken“ eben anders. Und es ist für uns nicht mehr ganz so aalglatt möglich, unseren Weg so zu gehen, wie er einmal gedacht war. Er mäandert durch deutlich spürbare Hochs und Tiefs, bedeutet ein zigfaches Hinterfragen von Entscheidungen, denn auf einmal geht wirklich einiges nicht mehr. Zumindest nicht mehr so wie früher.

Als Fazit zu meiner Interviewerfahrung bei Rehacare kann ich sagen, dass mir noch einmal deutlich wurde, welch hohe Bedeutung jetzt ethische Werte für mich haben. So wichtig, dass sie das Wertvollste und nicht Hinterfragbarste sind, was ich meinen Kindern mitgeben will.

Foto: Melina Mörsdorf

 

2 Antworten auf „Garnichtkrank auf Rehacare.de“

  1. Tolles Interview. Ich denke, dass Eltern mit Behinderung oder chronischer Erkrankung einen niemals endenden Kampf führen. Mir sieht man die Blindheit an. Da ist es klar. Dafür wird bei mir ein sehender Partner vorausgesetzt. Einfach weil sich Menschen ohne Behinderung eine Elternschaft mit Behinderung nicht vorstellen können oder wollen.

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