ANAPHYLAXIE

 

"Eine kleine Nuss, hängt auf einem Baum 
ei wie bin ich schön anzuschauen
- denkt sie grade munter - 
plumps da fällt sie runter! (...)"*

Bislang dachte ich: Allergien sind nicht ernst zu nehmen, sind Eitelkeiten oder Empfindlichkeiten.  Dass ich mit dieser Auffassung (äußerst naiv!) grundlegend falsch lag, erfuhr ich vor etwa zwei Wochen.

Da rief die Kitaleiterin an: Dein Kind hat so einen Ausschlag im Gesicht bekommen, nachdem wir Nüsse gegessen haben.

Ich dachte: Ok, er hat empfindliche Haut, die übertreiben wieder.

Das Telefonat endete.

Zwei Minuten später rief die Kita wieder an: Sein Gesicht quillt auf, wir rufen jetzt den Krankenwagen.

Jetzt rasten meine Gedanken: Ich bin sofort da!

Ich funktionierte jetzt nur, mit dem Fahrrad ist es nicht weit zur Kita. Während ich in die Pedalen trat, hörte ich das Martinshorn: Oh mein Gott, die kommen gerade für MEIN Kind!!

An der nächsten Ampel hatte ich Rot und der Verkehr war stark – hilflos musste ich mit ansehen, wie der Rettungswagen in die Kita-Einfahrt einbog. Endlich Grün!! Atemlos traf ich ein, als die Sanitäter ausstiegen: ICH BIN DIE MUTTER! Es war wie in einem Film – nur, dass ich mitspielte.

Wir rannten die Treppen hoch, da war meine kleine Maus, aufgequollen, voller Quaddeln, mit einem zugeschwollenen Auge auf dem Arm des Erziehers. Ich nahm ihn sofort und der Sanitäter sagte nicht mehr viel, nur: Wir fahren sofort in die Kinderklinik. Wenn das eine Nussallergie ist ….

Mit Blaulicht rasten wir in die Notaufnahme, noch im Zuge der Aufnahme bekam mein Kleiner ein Antihistaminikum. Dass bei einer Anaphylaxie Sekunden zwischen Leben und Tod entscheiden können, wusste ich da noch nicht.

Das Medikament wirkte schnell, das Gesichtchen sah bald wieder annähernd normal aus und auch das Weinen wurde weniger. Auf die dramatische Aufnahme folgte häppchenweise Aufklärung im Krankenhaus. Ja, eine Anaphylaxie kann zum Tod führen, die Betroffenen würden ersticken. Wenn meine Maus künftig einen Allergieschub haben sollte,  darf niemand zögern. Drei Notfallmedikamente sind fortan unsere ständigen Begleiter.

Anaphylaxie-Notfallmedikamente
Jetzt immer dabei: Anaphylaxie-Notfallmedikamente

Zögern werde ich nicht. Wenn meine Kinder derart bedroht sind, bin ich sowas von handlungsfähig. Natürlich würde ich ihm den rettenden Adrenalin-Injektor in das kleine Beinchen rammen, wenn es nötig ist. Es ist ein Gefühl, das ich nicht kannte, bevor ich Mutter war. Das bedingungslose Einstehen für die Kleinen – sowas gibt es sonst nicht. Ich bin dankbar, dass ich es erleben darf.

Auch wenn die derzeitigen Entwicklungen nicht erstrebenswert sind.

Denn es stellt sich mir, als Mutter mit MS, die Frage: Warum auch noch so etwas, ist es nicht ausreichend, mit dieser ständigen Ungewissheit über die Multiple Sklerose und ihre Entwicklung zu leben?

Und doch ist in allem etwas Gutes. Ich werde demnächst etwas zum Thema „Dankbarkeit“ schreiben ….

 

 

 

*(CD „Liederschatzkästchen“ RhythmikStudio)
*Beitragsbild: Photo by Elijah O’Donnell on Unsplash

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