Meine MS – mein Filmdreh



Meine MS-Diagnose: Noch nicht mal ein Jahr alt. Was bewegt jemanden wie mich – mit dieser noch sehr frischen Diagnose – dazu, sich filmen zu lassen? Warum trete ich vor die Kamera und spreche so persönlich und offen über mein Leben mit Multiple Sklerose? Ganz genau kann ich es leider auch nicht mehr sagen. November 2017 in Hamburg: kalt, grau, regnerisch. Ich sitze zuhause und frage mich: Habe ich diese Krankheit überhaupt schon wirklich angenommen? Weiß ich, was die chronische und unvorhersehbare Nervenerkrankung mit mir und meiner Familie macht? Die Antwort lag klar auf der Hand: Ich wusste gar nichts.

Warum MS? Die Antwort war: Ich wusste gar nichts

Auf der Suche nach Antworten, nach Erfahrungen anderer MS-Kranker ließ ich mich durchs Internet treiben. Auf Facebook dann war er: Der Post von Jonas, Inhaber bei Paperkite Pictures und Kameramann. Er suche, schrieb er, nach einer Person, die vor der Kamera über ihre MS-Erkrankung sprechen möchte. Genau genommen zu den Themen „MS und Familie“ sowie „MS-Neudiagnose“. Mein Bauch reagierte, ich dachte nicht lange nach: Ja, das würde mir helfen! Ich würde vor Profis sprechen und meine Sicht schildern. Es würde ein Zeitdokument entstehen, diese Situation, wie sie jetzt gerade ist, würde festgehalten und bleiben.

Kurz nach meiner Nachricht telefonierten Jonas und ich. Lange sprachen wir darüber, was gedreht werden könnte, der Dreh würde bei mir zuhause stattfinden. Und ich wusste: Meine Familie soll mit ins Bild! Ich weiß: Kinder sollen nicht so einfach in die Öffentlichkeit gestellt werden, in den Weiten des Internet verstreut werden … Aber sorry – dieses Mal sollte es um mich gehen. Und in meinem persönlichen MS-Bewältigungsfilm gehören meine Kinder dazu. genau wie mein Mann und mein Hund. Eine selbstständige Mama, die ihre Familie ernährt und MS hat. Das ist schon ungewöhnlich.

Mama, selbstständig und MS

Eine Frau, eine Mama von zwei bezaubernden Söhnen, bei der MS diagnostiziert wurde … Sollte sie sich nicht schnellstmöglich in die Sicherheit einer Festanstellung flüchten? Vielleicht ja. Aber vielleicht auch gerade nicht. Denn nur als Freelancer habe ich die Möglichkeit, diese gefühlt unzähligen neuen Arzttermine, meine Arbeit und meine Kinder unter einen Hut bringen zu können. Nine to Five an irgendeinem Schreibtisch wäre das undenkbar. Über all das und noch mehr wollte ich vor der Kamera sprechen. Ich würde meinen „Und-jetzt-mache-ich-es-einfach-Wunsch“, das Cellospielen, ebenso zeigen wie meine Sorgen, meine Ängste und mein Management-Talent.

Mein MS-Film

So entstand mein Film, den die grandiose Redakteurin Marieke gemeinsam mit dem Filmteam so gefühlvoll umsetzte:

Wenn man sich öffnet …

… kann es sehr befreiend und heilsam sein. Noch Wochen nach dem Filmdreh schwebte ich durchs Leben. Ich durfte sprechen, ich durfte mitteilen, wie es MIR mit dieser hässlichen MS geht. Doch während ich vor der Kamera sprach, erkannte ich ganz neue  – positive – Seiten an einer unheilbaren Krankheit. Irgendwie sorgt sie dafür, jeden guten Moment 1000 Mal mehr wertzuschätzen, Dinge zu machen, die einfach gut tun. Und sie JETZT zu machen.

Mama, selbstständig und MS: Tu es genau jetzt. | garnichtkrank.de

Das möchte ich dir mitgeben: Mach das, was gut für dich ist, genau jetzt. Denn vielleicht lässt diese MS es dich genau jetzt tun …

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